Herbstlager 2020 in Welleringhausen

Freitags um 13:08 Uhr ging an alle Herbstlager-Teilnehmer*innen und Eltern die erlösende Nachricht, dass das Herbstlager am nächsten Morgen wie geplant stattfindet. Dieser Nachricht war ein tagelanger Nervenkrimi vorausgegangen. Deutschlandweit stiegen die Corona-Infektionszahlen und keiner wusste so richtig, welche Regeln nun gelten. Schon Monate vorher hatten Pia und Vester, die als Lagerleitung fungieren sollten, ein detailliertes Hygienekonzept erarbeitet. Doch Anfang Oktober stiegen die Infektionszahlen so rasant, dass Bundesländer und Landkreise ständig neue Richtlinien erließen. Zum damaligen Zeitpunkt galt für Hessen, der Ort des Herbstlagers, ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 50 pro 100.000 Einwohner. Der Rhein-Sieg-Kreis (GTS-Kernland) lag knapp darunter. Die Stadt Aachen war darüber. Die Städteregion Aachen nicht – was zählte? (es war letztendlich die Städteregion), die Provinz Limburg in den Niederlanden war donnerstags Risikogebiet geworden. Nur der Kreis Euskirchen war ziemlich sicher niedriger. Pia und Vester saugten im Vorfeld die Pressemitteilungen der drei zuständigen Gesundheitsämter, des Auswärtigen Amtes (für die Niederlande) sowie die Regelungen des Landes Hessen begierig auf und hatten wahrscheinlich ein tieferes Wissen über die jeweiligen Regelungen der Kreise und Regionen als die dort lebenden Teilnehmer*innen. Im Ergebnis konnten nur die Teilnehmer*innen aus den Niederlanden, die den Aachener Stamm besuchen, nicht am Herbstlager teilnehmen. So ging es dann mit fast 60 Personen – aufgeteilt in 10er Zuggruppen – am Samstagmorgen auf eine knapp 6 stündige Zugfahrt nach Welleringhausen in Hessen. Nur Pia und Vester waren nicht dabei, denn die beiden sind bereits einen Tag vorher angereist, um das Haus vorzubereiten. Jedes Schlafzimmer und jeder Tisch im Speisesaal wurde mit Namenslisten versehen. Mit Klebeband wurden Laufwege auf den Boden gezeichnet und farbige Armbänder für die Hygienegruppen wurden zurechtgelegt. Die Hygienegruppen waren ein wichtiges Kernelement des Lagers. Den hessischen Regeln folgend, durften die Teilnehmer*innen nur in 10er Gruppen ohne Abstand und Mundnasenmaske spielen und schlafen. Doch Pia und Vester passten einfach die Spielidee entsprechend an und bei Lagerbeginn versank das große gemeinsame Schiff, mit dem die Teilnehmer*innen angereist waren und die Teilnehmer*innen retteten sich auf viele kleine Inseln im ‚Welling-Atoll‘, auf denen sie die Abenteuer bestehen mussten. Eine der wichtigsten Aufgaben war dabei das Basteln eines Rettungsbootes und die wechsellaunigen Piratenfürsten Pia und Vester, die das Atoll für sich beanspruchten, bei Laune zu halten. Die Lagerleitung war zwar schon für komplexe Lagerideen und Materialschlachten bekannt, doch dass für dieses Lager über 400 m² Alt-Pappe, 1 km Klebeband und über 2.400 Karten für ein eigens erfundenes Trading-Card-Game besorgt wurden, zeigte eindrucksvoll, dass dieses Lager etwas Besonderes wird. Insgesamt musste vieles ersetzt werden. Singeabende waren nicht umzusetzen und während der 2-Tagestouren musste darauf geachtet werden, dass nur Menschen derselben Hygienegruppe in einer Kohte schlafen. Doch Pia und Vester hatten für jeden ausgefallenen Programmpunkt mindestens gleichwertigen Ersatz. Statt gemeinsamer Morgenrunde gab es ein ‚Start-in-den-Tag‘-Programm auf den einzelnen Inseln. Anstatt Spieleabend gab es eine Pfadfinderversion der Gameshow „Familien-Duell“, statt Händeschütteln bei den Aufnahmen gab es ein Lächeln zum Pfadfindergruß.

Insgesamt war es – dank reichlich Vorbereitung und etwas Improvisation – ein sehr schönes und vor allem auch nicht infektiöses Lager. Auch der Zeitpunkt war genau richtig gewählt. Eine Woche später schon hätten wir das Lager nicht mehr durchführen dürfen, da die Infektionszahlen in unserer Heimat zwischenzeitlich so stark stiegen.

Im GTS wurden im Februar die Gruppenstunden eingestellt. Pfingst- und Sommerlager sind ausgefallen. Nach den Sommerferien gab es bis zu den Herbstferien wieder Gruppenstunden. Nach dem Herbstlager wurden die Gruppenstunden bis Ende des Jahres wieder ausgesetzt. Umso wichtiger war dieses Herbstlager. Pia und Vester merkten auf dem Lager, wie froh die Teilnehmer*innen waren, endlich wieder eine Woche mit anderen Kindern- und Jugendlichen zusammen zu leben und Abenteuer zu entdecken. Ein historisches Ereignis gab es auf dem Lager aber auch noch. Mit 11 Jungpfadfinder-, 21 Pfadfinder-, und 3 Ranger/Rover-Aufnahmen gab es so viele Stufenwechsel, wie noch nie auf einem GTS-Lager zuvor.

Wir hoffen, dass alle Teilnehmer*innen noch lange von diesem Lager zehren und die schweren Zeiten mit reduzierter Pfadfinderarbeit überstehen lassen. Denn wenn man eine Sache auf diesem Lager gespürt hat, ist es, dass die Pfadfinder*innen im GTS sehr fröhliche Menschen sind, die gerne Zeit miteinander verbringen.

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